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Der Messias – Der Gesalbte Gottes

Das Wort *Messias* gehört zu den tiefgründigsten und bedeutsamsten Titeln der gesamten Heiligen Schrift. Es bezeichnet nicht bloß eine Funktion oder ein Amt, sondern die von Gott selbst erwählte und bevollmächtigte Person, die als Erlöser, König und Hoherpriester das Heil für sein Volk – und durch es für die ganze Welt – wirken sollte. In Jesus von Nazareth hat diese uralte Verheißung ihre vollkommene und endgültige Erfüllung gefunden. Wer den Messias versteht, versteht das Herzstück der biblischen Offenbarung.

Etymologie und Bedeutung

Das deutsche Wort *Messias* geht auf das hebräische מָשִׁיחַ (*Maschiach*) zurück, abgeleitet von der Wurzel משׁח (*maschaḥ*), die „salben„ bedeutet. *Maschiach* ist also wörtlich: der Gesalbte. Die griechische Übersetzung dieses Titels ist Χριστός (*Christos*), von χρίω (*chriō*) = „salben“. Wenn das Neue Testament Jesus als den Christus bekennt, dann sagt es damit nichts anderes als: Er ist der Maschiach, der verheißene Gesalbte Gottes.

Der Name *Jesus Christus* ist demnach kein Vor- und Nachname, sondern ein Bekenntnis: Jesus (hebr. *Jeschua* = „der HERR rettet„) ist der Christus – der von Gott gesalbte Erlöser.

Die Salbung im Alten Testament

Im Alten Testament war die Salbung mit Öl ein heiliger Akt der Absonderung und Bevollmächtigung. Drei Ämter wurden durch Salbung eingesetzt:

1. Priester

Die Priester, insbesondere der Hohepriester, wurden mit dem heiligen Salböl gesalbt, um ihren Dienst vor Gott anzutreten. So wurde Aaron, der erste Hohepriester Israels, durch Mose gesalbt:

„Und er goss von dem Salböl auf Aarons Haupt und salbte ihn, daß er geweiht würde.“3. Mose 8, 12

Die Salbung des Priesters bedeutete: Dieser Mensch ist von Gott ausgesondert, um zwischen dem Heiligen und dem Volk zu vermitteln.

2. Könige

Auch die Könige Israels wurden durch Salbung in ihr Amt eingesetzt. Besonders eindrücklich ist die Salbung Davids durch den Propheten Samuel:

„Da nahm Samuel sein Ölhorn und salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN geriet über David von dem Tage an und fürder.„1. Samuel 16, 13

Hier zeigt sich ein entscheidendes Muster: Die äußere Salbung mit Öl ging einher mit der inneren Salbung durch den Geist des HERRN. Der gesalbte König war nicht aus eigener Kraft befähigt, sondern durch göttliche Bevollmächtigung.

3. Propheten

Auch Propheten konnten durch Salbung in ihren Dienst berufen werden. Elia wurde angewiesen, Elisa als seinen Nachfolger zu salben (vgl. 1. Könige 19, 16). Der Prophet sprach im Namen Gottes – er war Gottes Mund zum Volk.

Die messianischen Prophezeiungen

Die Propheten des Alten Testaments verkündigten einen kommenden Gesalbten, der alle drei Ämter – Prophet, Priester und König – in seiner Person vereinigen würde. Die wichtigsten Weissagungen sind:

Psalm 2 – Der Gesalbte als König

„Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren ratschlagen miteinander wider den HERRN und seinen Gesalbten.“Psalm 2, 2

Dieser königliche Psalm beschreibt den universalen Herrschaftsanspruch des Gesalbten Gottes. Die Völker lehnen sich auf – vergeblich, denn Gott selbst hat seinen König eingesetzt auf dem heiligen Berg Zion (Ps 2,6). Die Apostel bezogen diesen Psalm direkt auf Jesus Christus (vgl. Apostelgeschichte 4, 25-26).

Jesaja 61 – Der Gesalbte als Prophet und Befreier

„Der Geist des Herrn HERRN ist über mir, darum daß mich der HERR gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, daß ihnen geöffnet werde.„Jesaja 61, 1

Diese Stelle ist von zentraler Bedeutung, weil Jesus selbst sie in der Synagoge zu Nazareth auf sich bezog und erklärte: „Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren“ (Lukas 4, 21). Damit beanspruchte er, der von Jesaja verheißene Gesalbte zu sein.

Daniel 9 – Der Gesalbte in der Zeitrechnung Gottes

„So wisse nun und merke: von der Zeit an, da ausgeht der Befehl, daß Jerusalem soll wieder gebaut werden, bis auf den Gesalbten, den Fürsten, sind sieben Wochen; und zweiundsechzig Wochen, so werden die Gassen und Mauern wieder gebaut werden, wiewohl in kümmerlicher Zeit.„Daniel 9, 25
„Und nach den zweiundsechzig Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden und nichts mehr sein.“Daniel 9, 26

Daniel prophezeite nicht nur das Kommen des Gesalbten, sondern auch sein Schicksal: Er wird ausgerottet werden – ein deutlicher Hinweis auf den Kreuzestod Christi. Die Zeitangabe der „siebzig Wochen„ (Jahrwochen) weist präzise auf die Zeit des Wirkens Jesu hin.

Jesus – Der mit dem Heiligen Geist Gesalbte

Was Jesus von allen Königen, Priestern und Propheten des Alten Bundes unterscheidet, ist die Art seiner Salbung. Er wurde nicht mit irdischem Öl gesalbt, sondern mit dem Heiligen Geist selbst. Das Öl war stets nur ein Sinnbild für den Geist Gottes – in Jesus wurde das Urbild Wirklichkeit.

„Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den Blinden, daß sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit.“Lukas 4, 18

Petrus bezeugt in seiner Predigt im Haus des Kornelius:

„…wie Gott diesen Jesus von Nazareth gesalbt hat mit dem heiligen Geist und Kraft; der umhergezogen ist und hat wohlgetan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm.„Apostelgeschichte 10, 38

Das dreifache Amt des Messias – Munus Triplex

Die reformatorische Theologie hat die Lehre vom munus triplex Christi – dem dreifachen Amt Christi – herausgearbeitet. Der Messias vereinigt in sich die drei gesalbten Ämter des Alten Bundes:

Das Bekenntnis der Apostel

Der Höhepunkt des irdischen Wirkens Jesu war die Frage an seine Jünger: „Wer sagt denn ihr, daß ich sei?“ Die Antwort des Petrus wurde zum Fundament des christlichen Glaubens:

„Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!„Matthäus 16, 16

Dieses Bekenntnis ist weit mehr als eine theologische Aussage – es ist die Erkenntnis, die nur der Vater im Himmel schenken kann (Mt 16,17). Wer Jesus als den Christus bekennt, bekennt ihn als den von Gott Gesalbten, den Ersehnten aller Zeiten, den Retter der Welt.

Siehe auch: Prophet | Priester | König | Inkarnation | Jungfrauengeburt | Jesus | Einleitung und Protevangelium