Er ist der erbitterste Feind Gottes und des Menschen, der Urheber der Lüge und der Anstifter des Abfalls. Doch er ist kein gleichwertiger Gegenspieler Gottes – er ist ein geschaffenes Wesen, das sich in Hochmut gegen seinen Schöpfer erhob und damit dem Gericht verfiel. Die gesamte Heilsgeschichte ist durchzogen von seinem Wirken: Er verführt, er verklagt, er versucht, er zerstört. Doch ebenso klar bezeugt die Schrift sein Ende: Am Kreuz von Golgatha ist er bereits besiegt, und sein endgültiges Schicksal im feurigen Pfuhl steht unabänderlich fest. Die Gemeinde Jesu Christi hat ihn nicht zu fürchten, sondern zu widerstehen – im Wissen um den Sieg ihres Herrn.
Das hebräische Wort Satan (שָׂטָן, *satan*) bedeutet „Widersacher„ oder „Ankläger“. In seiner Grundbedeutung bezeichnet es jemanden, der sich entgegenstellt, der Widerstand leistet, der anklagt. Im Alten Testament begegnet das Wort sowohl als allgemeine Bezeichnung für einen Gegner als auch als Eigenname für den Feind Gottes. In Hiob 1, 6-12 tritt der Satan vor Gott als Ankläger auf, der die Lauterkeit des Frommen Hiob in Frage stellt.
Im Griechischen des Neuen Testaments lautet die Hauptbezeichnung Diabolos (Διάβολος), wovon sich das deutsche Wort „Teufel„ ableitet. *Diabolos* bedeutet wörtlich „Durcheinanderwerfer“ oder „Verleumder„ – einer, der Sachverhalte verdreht, Zwietracht sät und falsche Anklagen erhebt. Beide Bezeichnungen – Satan und Diabolos – enthüllen sein Wesen: Er ist der, der anklagt und verleumdet, der die Wahrheit verdreht und Gottes Ordnung umzustürzen sucht.
Die Schrift kennt eine Vielzahl weiterer Bezeichnungen, die jeweils verschiedene Aspekte seines Wesens und Wirkens beleuchten:
Die Schrift gibt an zwei prophetischen Stellen Einblick in den Ursprung des Bösen – in den Sturz eines Wesens, das einst in höchster Herrlichkeit vor Gott stand.
In einer Weissagung, die über den irdischen König von Babel hinausweist, beschreibt Jesaja den Hochmut und Fall eines himmlischen Wesens:
Fünfmal erscheint das vermessene „Ich will“ – die Quintessenz der Sünde ist der Wille, der sich über Gott erhebt. Der Morgenstern wollte nicht dienen, sondern herrschen; nicht anbeten, sondern angebetet werden. Darin liegt der Kern aller Sünde bis heute.
Ähnlich verhält es sich mit der Klage über den König von Tyrus, die weit über jeden irdischen Herrscher hinausgreift:
Hier wird deutlich: Satan ist kein ewiges Prinzip des Bösen. Er ist ein geschaffenes Wesen – einst vollendet in Schönheit und Weisheit, einst ohne Tadel. Doch die Schönheit wurde zum Anlass des Hochmuts, die Weisheit zur Grundlage der Selbstüberhebung. Sein Fall ist die Tragödie einer Kreatur, die sich von ihrem Schöpfer losriss.
Sein erstes dokumentiertes Wirken auf Erden ist die Verführung der ersten Menschen im Garten Eden. Dabei bedient er sich der Schlange als Werkzeug und wendet eine Strategie an, die bis heute seine bevorzugte Methode geblieben ist: die Verdrehung des Wortes Gottes.
Er beginnt nicht mit offener Leugnung, sondern mit einer scheinbar harmlosen Frage, die den Zweifel sät. Dann folgt die direkte Lüge: „Ihr werdet mitnichten des Todes sterben„ (1. Mose 3, 4). Schließlich die Verdächtigung der Motive Gottes und die falsche Verheißung der Vergöttlichung. Diese Strategie – Zweifel, Lüge, Verleumdung – ist sein Markenzeichen geblieben. Der Sündenfall, der daraus folgte, stürzte die gesamte Schöpfung ins Verderben.
Doch gerade hier, am tiefsten Punkt der Menschheitsgeschichte, spricht Gott das erste Heilsversprechen aus – das Protevangelium: Der Same der Frau wird der Schlange den Kopf zertreten (1. Mose 3, 15).
Im Neuen Testament kommt es zur direkten Konfrontation zwischen Satan und dem Sohn Gottes. Nach vierzig Tagen des Fastens in der Wüste versucht der Teufel Jesus dreifach:
Wo der erste Adam in der Vollkommenheit des Gartens fiel, besteht der letzte Adam in der Kargheit der Wüste. Jesus besiegt Satan mit dem Schwert des Geistes – dem Wort Gottes.
Obwohl am Kreuz bereits besiegt, ist Satan bis zur endgültigen Vollstreckung des Urteils noch wirksam. Die Schrift beschreibt sein Wirken so:
Diese Verstellung als Engel des Lichts ist besonders gefährlich: Satan kommt nicht immer in offensichtlicher Bosheit, sondern oft in der Maske des Guten, des Frommen, des Vernünftigen. Er verkleidet Irrlehre als Wahrheit und Rebellion als Frömmigkeit.
Die zentrale Botschaft der Schrift über Satan ist nicht seine Macht, sondern seine Niederlage. Am Kreuz von Golgatha hat der Herr Jesus Christus den entscheidenden und unwiderruflichen Sieg errungen:
Und sein endgültiges Schicksal ist bereits besiegelt:
Satan ist ein bereits gerichteter Feind. Sein Toben in der Gegenwart ist das Wüten eines Besiegten, der weiß, dass seine Zeit kurz ist (Offenbarung 12, 12). Die Gemeinde Jesu Christi lebt nicht in Furcht vor ihm, sondern im Triumph ihres Herrn über ihn.
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Siehe auch: Schlange | Sündenfall | Protevangelium | Heiliger Geist