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Jesus Christus:Heiliger Geist

Der Heilige Geist

Der Heilige Geist ist die dritte Person der göttlichen Dreieinigkeit – nicht eine unpersönliche Kraft, nicht eine bloße Wirkungsweise Gottes, sondern wahrhaft Gott, wesensgleich mit dem Vater und dem Sohn. Vom ersten Vers der Heiligen Schrift bis zum letzten Kapitel der Offenbarung durchzieht Sein Wirken die gesamte Heilsgeschichte. Er ist der, durch den Gott schafft, offenbart, rettet, heiligt und vollendet. Ohne den Heiligen Geist gibt es kein geistliches Leben, kein Verständnis der Wahrheit und keine Gemeinschaft mit Gott.

Etymologie und Bedeutung

Im Hebräischen wird der Heilige Geist als Ruach HaKodesh (רוּחַ הַקֹּדֶשׁ) bezeichnet. Das Wort *ruach* (רוּחַ) trägt ein breites Bedeutungsspektrum: Wind, Atem, Hauch, Geist. Es verweist auf eine unsichtbare, aber mächtig wirkende Realität – wie der Wind, den man nicht sieht, dessen Wirkung aber unübersehbar ist. *HaKodesh* (הַקֹּדֶשׁ) bedeutet „der Heiligkeit„ oder „des Heiligtums“. Der Heilige Geist ist also wörtlich der Geist der Heiligkeit – jener Geist, der Gott wesenhaft eigen ist und der alles, was Er berührt, heiligt und absondert.

Im Griechischen des Neuen Testaments lautet die Bezeichnung Pneuma Hagion (Πνεῦμα Ἅγιον). Auch *pneuma* (πνεῦμα) bedeutet Wind, Hauch, Atem, Geist – eine bewusste Entsprechung zum hebräischen *ruach*. *Hagion* (ἅγιον) heißt „heilig„ im Sinne von abgesondert, rein, dem Göttlichen zugehörig. Der Herr Jesus selbst gebraucht in Johannes 3, 8 das Bild des Windes, um das Wirken des Geistes zu beschreiben.

Der Heilige Geist im Alten Testament

Bei der Schöpfung

Bereits im zweiten Vers der Bibel begegnet uns der Geist Gottes als schöpferisch Wirkender:

„Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“1. Mose 1, 2

Das hebräische Wort für „schweben„ (*merachefet*, מְרַחֶפֶת) beschreibt ein brütendes Schweben, wie ein Vogel über seinen Eiern brütet. Der Geist Gottes hält sich bereit über dem Chaos, um aus Formlosigkeit Ordnung, aus Leere Fülle, aus Finsternis Licht hervorzubringen. Hier zeigt sich bereits: Der Heilige Geist ist der Vollstrecker des göttlichen Willens in der Schöpfung.

Begabung und Befähigung

Im Alten Testament kommt der Geist Gottes auf bestimmte Menschen, um sie zu besonderen Aufgaben zu befähigen. Ein eindrückliches Beispiel ist Bezaleel:

„Und ich habe ihn erfüllt mit dem Geist Gottes, mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit allerlei Geschicklichkeit“2. Mose 31, 3

Auch auf die Richter Israels kam der Geist des HERRN, um sie zum Kampf für Sein Volk zu befähigen:

„Und der Geist des HERRN ward über ihn, und er richtete Israel„Richter 3, 10
„Und der Geist des HERRN kam über Gideon“Richter 6, 34

Die Salbung Davids

Bei der Salbung des jungen David durch den Propheten Samuel geschieht etwas Entscheidendes – der Geist des HERRN kommt dauerhaft auf ihn:

„Da nahm Samuel sein Ölhorn und salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN geriet über David von dem Tage an und fürder.„1. Samuel 16, 13

David wusste um die Kostbarkeit dieser Gabe. In seinem Bußpsalm fleht er: „Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir“ (Psalm 51, 13). Im Alten Bund konnte der Geist noch genommen werden – eine Realität, die sich mit Pfingsten grundlegend ändert.

Die große Verheißung

Die Propheten schauen voraus auf eine Zeit, in der der Geist nicht mehr nur auf Einzelne kommt, sondern über alles Fleisch ausgegossen wird:

„Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Ältesten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen.„Joel 3, 1

Und durch Hesekiel verheißt Gott eine innere Erneuerung, die das steinerne Herz des Menschen verwandelt:

„Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“Hesekiel 36, 26-27

Diese Verheißung findet ihre Erfüllung in der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten – und sie erfüllt sich bis heute an jedem Menschen, der durch den Glauben an Jesus Christus von neuem geboren wird.

Der Heilige Geist im Leben Jesu

Das irdische Leben des Herrn Jesus ist von Anfang bis Ende vom Heiligen Geist durchdrungen. Schon Seine Jungfrauengeburt geschieht durch das Wirken des Geistes:

„Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.„Lukas 1, 35

Bei Seiner Taufe im Jordan wird der Geist sichtbar auf Ihn herabgesandt:

„Und da Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich der Himmel auf über ihm. Und er sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren und über ihn kommen.“Matthäus 3, 16

Unmittelbar danach führt derselbe Geist Ihn in die Wüste zur Versuchung durch den Satan:

„Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde.„Matthäus 4, 1

Und Seinen gesamten öffentlichen Dienst vollzieht Jesus in der Kraft des Geistes, wie Er selbst in der Synagoge zu Nazareth erklärt:

„Der Geist des Herrn ist bei mir, darum daß er mich gesalbt hat; er hat mich gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, daß sie los sein sollen, und den Blinden, daß sie sehend werden sollen, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen“Lukas 4, 18

Der Heilige Geist ist auch die Verbindung zwischen der Inkarnation des Sohnes und dem Wirken des Messias: Der gesalbte König handelt stets in der Vollmacht des Geistes.

Pfingsten – Die Ausgießung des Geistes

Fünfzig Tage nach der Auferstehung und zehn Tage nach der Himmelfahrt erfüllt sich die Verheißung:

„Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen. Und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.„Apostelgeschichte 2, 1-4

Petrus erklärt dieses Geschehen ausdrücklich als Erfüllung der Weissagung Joels. Was die Propheten geschaut hatten, war nun Wirklichkeit geworden: Der Geist Gottes nicht mehr nur auf einzelnen Auserwählten, sondern ausgegossen auf alle Gläubigen – auf Männer und Frauen, Alte und Junge, Knechte und Mägde. Das Zeitalter des Geistes hatte begonnen.

Die Aufgaben des Heiligen Geistes

Der Herr Jesus selbst hat in Seinen Abschiedsreden die Aufgaben des Heiligen Geistes klar benannt:

1. Überführung der Welt: Der Geist überführt die Welt der Sünde, der Gerechtigkeit und des Gerichts:

„Und wenn derselbe kommen wird, der wird die Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtigkeit und um das Gericht“Johannes 16, 8

2. Leitung in alle Wahrheit: Er führt die Gläubigen in das volle Verständnis der göttlichen Wahrheit:

„Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten.„Johannes 16, 13

3. Verherrlichung Christi: Der Geist weist nicht auf sich selbst, sondern stets auf Christus:

„Derselbe wird mich verklären; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen.“Johannes 16, 14

4. Zeugnis der Kindschaft: Der Geist selbst bezeugt dem Gläubigen, dass er ein Kind Gottes ist:

„Derselbe Geist gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind.„Römer 8, 16

Der Heilige Geist ist Person

Gegen jede Irrlehre, die den Heiligen Geist zu einer bloßen Kraft oder Ausstrahlung Gottes degradieren will, bezeugt die Schrift unmissverständlich Seine Personalität:

  • Er redet: „Da sprach der Heilige Geist: Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, dazu ich sie berufen habe.“ (Apostelgeschichte 13, 2)
  • Er kann betrübt werden: „Und betrübet nicht den heiligen Geist Gottes, mit welchem ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung.„ (Epheser 4, 30)
  • Er hat einen Willen: „Dies aber alles wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeglichen seines zu, nach dem er will.“ (1. Korinther 12, 11)
  • Er kann belogen werden: Ananias und Saphira belogen nicht Menschen, sondern den Heiligen Geist – und damit Gott selbst (Apostelgeschichte 5, 3-4).

Eine unpersönliche Kraft kann man nicht belügen, nicht betrüben, und sie kann nicht sprechen und nach eigenem Willen handeln. Der Heilige Geist ist wahrhaft Person – die dritte Person des dreieinigen Gottes.

Siehe auch: Jungfrauengeburt | Inkarnation | Messias | Satan