Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


Jesus Christus:Prophet

Jesus Christus als Prophet

Das Amt des Propheten gehört zu den drei großen Ämtern, die in der Person Jesu Christi ihre vollkommene Erfüllung finden. Während im Alten Testament zahlreiche Propheten als Boten Gottes auftraten – von Mose über Elia und Jesaja bis hin zu Maleachi –, weist die gesamte prophetische Tradition über sich selbst hinaus auf den einen Propheten, der nicht nur Gottes Wort *überbringt*, sondern Gottes Wort *ist*. In Jesus von Nazareth findet das Prophetenamt seine letztgültige Gestalt: Er ist der verheißene Prophet wie Mose, der endgültige Offenbarer des göttlichen Willens und zugleich der Inhalt seiner eigenen Botschaft.

Etymologie und Bedeutung

Das hebräische Wort für Prophet lautet nabi (נָבִיא). Die Grundbedeutung ist umstritten, doch die wahrscheinlichste Ableitung weist auf *„Berufener„* oder *„Sprecher“* hin – jemand, der von Gott berufen ist, um in seinem Namen zu reden. Der Prophet spricht nicht aus eigenem Antrieb, sondern empfängt das Wort von Gott und gibt es weiter. Daneben verwendet das Alte Testament den Begriff roeh (רֹאֶה), der *„Seher„* bedeutet und die visionäre Dimension des prophetischen Amtes betont.

Das griechische Wort prophetes (προφήτης) setzt sich zusammen aus *pro* (= „vor, für, anstelle von“) und *phemi* (= „sprechen„). Der Prophet ist also im wörtlichen Sinne ein *Vor-Sprecher* – einer, der anstelle eines anderen spricht. Im biblischen Kontext ist er derjenige, der anstelle Gottes zu den Menschen redet.

Das Prophetenamt im Alten Testament

Die grundlegende Definition des prophetischen Amtes findet sich in der Berufung des Mose. Als Mose einwendet, er sei nicht beredt genug, um vor Pharao zu sprechen, antwortet Gott:

„Und der HERR sprach zu ihm: Wer hat dem Menschen den Mund geschaffen? Oder wer hat den Stummen oder Tauben oder Sehenden oder Blinden gemacht? Habe ich's nicht getan, ich, der HERR?“2. Mose 4, 11

Aaron wird daraufhin als Mund des Mose eingesetzt – und Mose selbst wird für Aaron „an Gottes Statt„ sein. Dieses Modell offenbart das Wesen aller Prophetie: Der Prophet ist Gottes Mund. Er empfängt die Worte direkt von Gott und gibt sie unverfälscht weiter. Er fügt nichts hinzu und nimmt nichts weg.

Die Propheten des Alten Testaments hatten eine dreifache Aufgabe:

  • Verkündigung des göttlichen Willens: Sie riefen das Volk zur Umkehr, mahnten zur Bundestreue und legten das Gesetz Gottes aus.
  • Vorhersage zukünftiger Ereignisse: Sie kündigten Gericht und Heil an – sowohl für Israel als auch für die Völker.
  • Zeugnis für den kommenden Messias: Die gesamte prophetische Linie weist auf den einen hin, der kommen soll.

Die Verheißung des kommenden Propheten

Die entscheidende messianische Verheißung bezüglich des Prophetenamtes findet sich im fünften Buch Mose. Mose selbst kündigt einen Propheten an, der ihm gleichen wird – und doch größer sein wird als er:

„Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus dir und aus deinen Brüdern; dem sollt ihr gehorchen.“5. Mose 18, 15
„Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde.„5. Mose 18, 18

Diese Verheißung ist von höchster Bedeutung. Sie spricht nicht einfach von einer fortlaufenden Reihe von Propheten, sondern von dem einen Propheten, der als endgültiger Offenbarer Gottes auftreten wird. Der Singular „einen Propheten“ und die Parallele zu Mose – dem größten Propheten des Alten Bundes, der mit Gott „von Angesicht zu Angesicht„ sprach (5. Mose 34, 10) – weisen auf eine einzigartige, unvergleichliche Gestalt hin.

Jesus Christus – Die Erfüllung der Verheißung

Das Volk Israel lebte in der Erwartung dieses verheißenen Propheten. Als Jesus auftrat und mächtige Zeichen tat, erkannte das Volk die Erfüllung:

„Da die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.“Johannes 6, 14
„Viele nun aus dem Volk, die diese Rede hörten, sprachen: Dieser ist wahrlich der Prophet.„Johannes 7, 40

Der Apostel Petrus bezieht die Mose-Verheißung in seiner Pfingstpredigt ausdrücklich auf Jesus Christus:

„Mose hat gesagt zu den Vätern: ‚Einen Propheten wird euch der HERR, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern gleichwie mich; den sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagen wird. Und es wird geschehen, welche Seele denselben Propheten nicht hören wird, die soll vertilgt werden aus dem Volk.'“Apostelgeschichte 3, 22-23

Das prophetische Wirken Jesu

Jesus wirkte als Prophet auf vielfache Weise. Sein gesamtes öffentliches Auftreten war von prophetischer Kraft und Vollmacht durchdrungen:

Verkündigung des Reiches Gottes

Jesus begann sein Wirken mit dem prophetischen Ruf zur Umkehr:

„Von der Zeit an fing Jesus an zu predigen und zu sagen: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!„Matthäus 4, 17

Er lehrte mit einer Vollmacht, die alle bisherigen Propheten übertraf. Die Menschen „entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrte sie als einer, der Gewalt hat, und nicht wie die Schriftgelehrten“ (Markus 1, 22). Während die Propheten des Alten Testaments sagten: „So spricht der HERR„, sprach Jesus: „Ich aber sage euch“ (Matthäus 5, 22). Darin zeigt sich sein Anspruch, nicht nur Bote Gottes zu sein, sondern mit göttlicher Autorität selbst zu sprechen.

Vorhersage zukünftiger Ereignisse

Jesus sagte die Zerstörung Jerusalems und des Tempels mit bestürzender Genauigkeit voraus:

„Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt an und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient! Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängsten; und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen, darum daß du nicht erkannt hast die Zeit, darin du heimgesucht bist.„Lukas 19, 41-44
„Es werden die Tage kommen, in welchen nicht ein Stein auf dem andern gelassen wird, der nicht zerbrochen werde.“Lukas 21, 6

Diese Prophezeiung erfüllte sich im Jahr 70 n. Chr. durch die Zerstörung Jerusalems unter dem römischen Feldherrn Titus – ein eindrucksvoller Beweis der prophetischen Vollmacht Jesu.

Vorhersage seines eigenen Leidens und seiner Auferstehung

Am eindrücklichsten ist, dass Jesus sein eigenes Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung im Voraus ankündigte:

„Von der Zeit an fing Jesus an und zeigte seinen Jüngern, wie er müßte hin gen Jerusalem gehen und viel leiden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen.„Matthäus 16, 21
„Siehe, wir ziehen hinauf gen Jerusalem, und des Menschen Sohn wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überantwortet werden, und sie werden ihn verdammen zum Tode und werden ihn überantworten den Heiden, zu verspotten und zu geißeln und zu kreuzigen; und am dritten Tage wird er auferstehen.“Matthäus 20, 18-19

Mehr als ein Prophet – Das Wort Gottes selbst

So groß das Prophetenamt Jesu ist, so reicht es doch nicht aus, sein Wesen vollständig zu beschreiben. Denn Jesus ist nicht nur ein Überbringer des göttlichen Wortes – er ist das Wort Gottes in Person:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.„Johannes 1, 1
„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“Johannes 1, 14

Der Hebräerbrief fasst diesen Gedanken zusammen, indem er die prophetische Offenbarung Gottes als einen Weg beschreibt, der in Christus seinen Höhepunkt erreicht:

„Nachdem vorzeiten Gott manchmal und mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er am letzten in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn.„Hebräer 1, 1-2

Alle Propheten vor ihm waren Diener, die auf den Herrn hinwiesen. Jesus aber ist der Herr selbst, der zu seinem Volk kommt. In ihm ist die Prophetie nicht nur erfüllt, sondern übertroffen – denn in ihm spricht Gott nicht mehr *durch* einen Menschen, sondern *als* Mensch.

Die drei Ämter Christi

Das Prophetenamt bildet zusammen mit dem Priesteramt und dem Königsamt das dreifache Amt Christi (*munus triplex*). Als Prophet offenbart er den Willen Gottes, als Priester versöhnt er die Menschen mit Gott, und als König regiert er über sein Volk in Ewigkeit. Diese drei Ämter, die im Alten Testament stets von verschiedenen Personen ausgeübt wurden, vereinigen sich allein in der Person Jesu Christi, des Messias.

Siehe auch: Messias | Priester | König | Einleitung und Protevangelium